verzögern aufwendige Genehmigungs- oder Vergabeverfahren Projekte in mindestens 60 % der Kommunen.
Nicht nur Schulden wachsen.Auch das, was wir nicht reparieren.
Deutschlands Städte, Gemeinden und Landkreise melden einen Rekordrückstand bei Schulen, Straßen, Sportstätten und öffentlicher Infrastruktur.
Nicht jede Schuld ist schlecht. Kaputte Infrastruktur ist auch eine Rechnung – nur steht sie auf keiner Schuldenuhr.
Modellrechnung, keine Echtzeitmessung. Startpunkt sind die 231,2 Milliarden Euro aus dem KfW-Kommunalpanel vom 17. Juni 2026. Die Uhr zählt seitdem mit rund 491 Euro pro Sekunde weiter. So schnell ist der Rückstand zuletzt gewachsen. Sie macht diese Entwicklung sichtbar, misst sie aber nicht in Echtzeit. Der Wert ist auf 1.000 Euro gerundet.
Die Substanz
231,2 Milliarden Euro sind nicht abstrakt.
Öffne einen Bereich: Hinter jedem Betrag stehen konkrete Räume, Wege und Netze, die jeden Tag gebraucht werden.
01 · Schulen68,9Mrd. € · 29,8 %
Der größte Einzelposten. Trotz hoher politischer Priorität bleibt die Schulinfrastruktur mit Abstand der größte Rückstandsbereich.
Der Anstieg zum Vorjahr war vergleichsweise gering. Das hohe Niveau zeigt aber, wie groß die über Jahre angesammelte Aufgabe weiterhin ist.
02 · Straßen & Verkehr53,7Mrd. € · 23,2 %
Straßen und Verkehrswege bilden den zweitgrößten Rückstand. In vielen Kommunen gelingt selbst der laufende Unterhalt nur teilweise.
30 % der Kommunen konnten ihre Straßen in den vergangenen fünf Jahren nur in geringem Umfang oder gar nicht angemessen unterhalten.
03 · Brand- & Katastrophenschutz23,2Mrd. € · 10,0 %
Der Rückstand wächst deutlich – obwohl Brand- und Katastrophenschutz zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehören.
Das Panel nennt hier einen besonders dynamischen Anstieg und zugleich einen wachsenden Anteil von Kommunen mit mindestens nennenswertem Rückstand.
04 · Verwaltungsgebäude22,2Mrd. € · 9,6 %
Auch Rathäuser, Bauhöfe und Verwaltungsstandorte sind Teil funktionierender öffentlicher Infrastruktur.
Bei Verwaltungsgebäuden stieg der wahrgenommene Rückstand im Jahresvergleich um rund 14 %.
05 · Sportstätten & Bäder21,6Mrd. € · 9,3 %
Der stärkste prozentuale Sprung im Panel: Schwimmbäder, Hallen und Plätze erreichen vielerorts das Ende ihres Lebenszyklus.
Der gemeldete Rückstand stieg von rund 15,6 auf 21,6 Mrd. €. Die KfW bezeichnet diesen Sprung als überraschend stark.
06 · Weitere Bereiche41,6Mrd. € · 18,0 %
Unter anderem Kinderbetreuung, Wasser, Kultur, Wohnen, Gesundheit und digitale Infrastruktur.
Ausgewählte Werte: Kinderbetreuung 12,0 Mrd. €, Wasserver- und -entsorgung 10,4 Mrd. €, Kultur 7,0 Mrd. € und Informationstechnik 1,4 Mrd. €.
Die Kacheln sind per Maus, Touch und Tastatur bedienbar.
Klick dich schlau
Drei Fragen. 60 Sekunden. Danach blickst du durch.
Kein Vorwissen, kein Fachchinesisch. Erst mit der Zeitmaschine spielen, dann drei schnelle Fragen knacken.
Was bedeuten 491 Euro pro Sekunde?
kommen laut Modellrechnung hinzu.
Frage 1 von 3
Was kommen laut Modellrechnung in einer Stunde hinzu?
Die Zahl hinter der Zahl
Großer Anstieg. Aber nicht nur Verfall.
Baupreise verändern, wie groß der Rückstand in Euro aussieht. Seit 2018 stieg er nominal um 67 %, preisbereinigt aber um 7 %. Beides ist wahr – und erzählt etwas anderes.
in Euro zu jeweiligen Preisen
Zahlen als Tabelle anzeigen
| Jahr | Nominal | Preisbereinigt |
|---|---|---|
| 2018 | 100 | 100 |
| 2019 | 107 | 100 |
| 2020 | 108 | 101 |
| 2021 | 115 | 103 |
| 2022 | 120 | 92 |
| 2023 | 135 | 94 |
| 2024 | 157 | 104 |
| 2025 | 167 | 107 |
Der Umsetzungsstau
Geplant ist noch nicht gebaut.
Geld ist nur ein Teil des Problems. Personalmangel, Vergaben, Genehmigungen und Bauvorschriften verzögern oder verhindern Projekte.
gingen die tatsächlich verausgabten kommunalen Sachinvestitionen preisbereinigt zurück.
Der größere Blick
600 Milliarden Euro
zusätzlichen öffentlichen Investitionsbedarf über zehn Jahre ermittelten IW und IMK 2024 – genauer: 595,7 Mrd. € zu Preisen des Jahres 2024.
Kommunale Infrastruktur & Klimaanpassung
190 Mrd. €Klimaschutz & Energiewende
200 Mrd. €Schiene, ÖPNV & Fernstraßen
127 Mrd. €Bildungsinfrastruktur
42 Mrd. €Sozialer Wohnungsbau
37 Mrd. €Die 190 Mrd. € basieren in dieser Studie auf einer älteren KfW-Schätzung aus 2023 und zusätzlicher Klimaanpassung. Sie sind nicht der heutige KfW-Rückstand und dürfen nicht zu den 231,2 Mrd. € addiert werden.
Originalstudie und vollständige Herleitung ↗Drei Rechenbeispiele
Wächst der Rückstand weiter – oder wird er kleiner?
Zuletzt kamen innerhalb eines Jahres 15,5 Milliarden Euro hinzu. Die drei Beispiele zeigen, was rechnerisch passiert, wenn jedes Jahr zusätzlich 5, 15,5 oder 25 Milliarden Euro direkt in den Abbau des Rückstands fließen würden.
Um rechnerisch 10,5 Mrd. € pro Jahr. Nach zehn Jahren läge er bei rund 336,2 Mrd. €.
Etwa die grobe KfW-Einordnung des kommunalen Anteils am Sondervermögen.Der jüngste jährliche Zuwachs wäre rechnerisch ausgeglichen. Nach zehn Jahren läge der Rückstand weiter bei rund 231,2 Mrd. €.
Das ist die rechnerische Schwelle – kein politischer Finanzierungsplan.Um rechnerisch 9,5 Mrd. € pro Jahr. Nach zehn Jahren läge er bei rund 136,2 Mrd. €.
Vereinfachtes Beispiel ohne Preisentwicklung und neue Bedarfe.Keine Prognose: Die Rechnung unterstellt, dass der Rückstand ohne zusätzliche Maßnahmen jedes Jahr um 15,5 Mrd. € wächst und jeder zusätzliche Euro ihn direkt reduziert. Baupreise, neue Bedarfe, Planungskapazitäten und Folgekosten bleiben unberücksichtigt.
Datengrundlage: KfW-Kommunalpanel 2026 ↗Die zweite Uhr
Kommunalfinanzen unter Druck.
Schulden sind nicht dasselbe wie Handlungsunfähigkeit. Entscheidend ist, wofür Kredite aufgenommen werden, ob laufende Einnahmen die Ausgaben decken und welches öffentliche Vermögen entsteht.
Können Zukunft finanzieren.
Sie waren der Haupttreiber des Schuldenanstiegs. Ihnen stehen im besten Fall langlebige Schulen, Netze oder Verkehrswege gegenüber.
Sind das deutlichere Warnsignal.
Sie dienen vor allem der kurzfristigen Liquidität. Laut KfW nahmen sie 2025 um rund 21 % zu.
Zeigt den aktuellen Druck.
31,9 Mrd. € fehlten 2025 zwischen regulären Einnahmen und Ausgaben – der höchste Wert seit 1990.
Wer nur Verbindlichkeiten zählt, übersieht das öffentliche Vermögen.
Ein Kredit für eine langlebige Schule ist anders zu bewerten als ein dauerhaftes laufendes Defizit. Unterlassene Sanierung erzeugt ebenfalls Kosten – nur tauchen sie auf keiner klassischen Schuldenuhr auf.
IW und IMK diskutieren deshalb eine „Goldene Regel“: Zusätzliche Kreditaufnahme kann vertretbar sein, wenn sie klar an öffentliche Investitionen gebunden wird.
Zur wirtschaftswissenschaftlichen Einordnung ↗Vom Problemdruck zur Wirkung
Was jetzt hilft.
Geld allein baut noch keine Schule. Aber ohne verlässliche Finanzierung, umsetzungsfähige Verwaltungen und dauerhaften Erhalt wächst der Stau weiter.
Kommunen planbar finanzieren.
Mehrjährige Investitionspfade geben Städten, Gemeinden und Landkreisen Sicherheit – statt kurzfristiger Programme mit ständig wechselnden Bedingungen.
Planung und Vergabe stärken.
Personal, einfachere Verfahren und gebündelte Expertise machen aus bereitgestelltem Geld tatsächlich gebaute Infrastruktur.
Erhalt vor Verfall organisieren.
Wer Lebenszyklen, Wartung und Folgekosten von Anfang an finanziert, verhindert den nächsten Sanierungsstau.
Die Hebel greifen ineinander. Das KfW-Kommunalpanel dokumentiert Finanzierungs- und Umsetzungsprobleme; IW und IMK ordnen die langfristige Investitionsfinanzierung ein.
Methodik & Quellen
Was diese Uhr zeigt. Und was nicht.
Wahrgenommen, nicht amtlich vermessen.
Die 231,2 Mrd. € sind eine repräsentativ hochgerechnete Selbsteinschätzung kommunaler Kämmereien.
Modell, nicht Echtzeitmessung.
Die laufende Uhr setzt das jüngste nominale Vorjahrestempo seit dem Veröffentlichungsdatum konstant fort.
Schätzung, nicht Eurogenauigkeit.
Der Ausgangswert ist gerundet. Das Näherungszeichen und die Rundung auf 1.000 € machen die Modellnatur sichtbar.
Verschiedene Studien nicht addieren.
Die 595,7 Mrd. € messen einen zusätzlichen Bedarf über zehn Jahre und basieren teilweise auf älteren Daten.
Datensteckbrief des KfW-Kommunalpanels 2026
- Erhebungszeitraum
- Januar bis März 2026
- Bezugszeitraum
- überwiegend Haushaltsjahr 2025
- Teilnehmende Kommunen
- 1.074
- Rücklaufquote
- 37 %
- Grundgesamtheit
- Städte und Gemeinden über 2.000 Einwohner sowie alle Landkreise
- Nicht enthalten
- Stadtstaaten; kleinere Gemeinden unter 2.000 Einwohnern
- Hochrechnung
- geschichtet nach Größenklassen und Ländern
- Definition
- notwendiges Volumen, um Infrastruktur auf heute angemessenen Erhaltungszustand zu bringen
231,2 Mrd. € + vergangene Sekunden seit 17.06.2026 × (15,5 Mrd. € ÷ 365,25 Tage)Das Ergebnis wird auf 1.000 Euro gerundet. Die Rate beträgt rechnerisch 491,17 Euro pro Sekunde.
Offene Daten
Nachrechnen ausdrücklich erwünscht.
Werte, Einheiten, Bezugsjahre, Herleitungen und Quellen stehen maschinenlesbar und als barrierearme Tabelle bereit.
Datenzusammenstellung: CC BY 4.0. Rechte an den Primärquellen verbleiben bei den jeweiligen Herausgebern.